maydayCafé Juni-August

Mittwoch, 5. August, 19.30 Uhr:
Konfliktort „Supermarkt“

Film- und Diskussionsveranstaltung: „Ende der Vertretung - Emmely und der Streik im Einzelhandel“ - Dokumentarfilm von kanalB, 56 Minuten, Berlin 2009

Die Situation der Beschäftigten im Einzelhandel hat sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert. Während die Arbeitsbelastung immer näher an die Grenze des körperlich Erträglichen geht, bleiben die Löhne immer weiter hinter den steigenden Lebenshaltungskosten zurück. Als die Arbeitgeber Ende 2006 die Zuschläge für Spät- und Nachtarbeit kürzen wollten, begann die bislang längste und härteste Tarifauseinandersetzung im deutschen Einzelhandel. Der Film begleitet die Streikenden über mehrere Monate. Zu Wort kommen Frauen, die seit Jahrzehnten im Einzelhandel arbeiten. Viele streiken zum ersten mal in ihrem Leben. Oft sind sie allein erziehend, in Teilzeit und mit so wenig Lohn, dass sie sich ihr Essen „bei der Familie zusammensuchen“ müssen. Manchen wird ihr Engagement im Streik zum Verhängnis, Emmely zum Beispiel. Nachdem sie in ihrer Kaiser’s Filiale den Streik organisiert hat, wird ihr unter einem Vorwand fristlos gekündigt. Als sie auf Wiedereinstellung klagt, bekommt sie die ganze Wucht des einseitig an den Interessen der Unternehmen ausgerichteten deutschen Arbeitsrechts zu spüren. Der Film erkundet unter anderem das Engagement der ArbeiterInnen im Streik und analysiert das Vorgehen der Streikleitung und die Rolle der Betriebsräte. Beschrieben werden auch die Interventionen linker Gruppen an der Seite der Streikenden.

Das Mayday-Bündnis wird im Juli vor verschiedenen Supermärkten in Bremen für die Veranstaltung mobilisieren – auch um auf die vom Komitee „Solidarität mit Emmely“ vorbereitete Bundestagspetition gegen Verdachtskündigungen aufmerksam zu machen. Bei der Veranstaltung soll unter anderem der Frage nachgegangen werden, wie linke Bewegungen Protest & Widerstand von Angestellten im Groß- und Einzelhandel unterstützen können.

Zeit & Ort: Mittwoch, 5. August, 19.30 Uhr, Konsul-Hackfeld-Haus, Birkenstr. 34

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Mittwoch, 8. Juli, 20 Uhr:
Argentinische Verhältnisse in Bremen – Luftschloss oder Herausforderung?!

Film- und Diskussionsveranstaltung: „Die Übernahme“ – Dokumentarfilm von Naomi Klein/Avi Lewis, 87 Minuten, Kanada 2004

Sicherlich, Fabrikbesetzungen à la Argentinien stehen in Bremen derzeit nicht auf der Tagesordnung. Dennoch lohnt es, der Frage nachzugehen, was soziale Bewegungen hierzulande von den viel beschworenen Fabrikbesetzungen in Argentinien lernen können. Denn Anlass gibt es reichlich: Zum einen stehen auch Bremen stürmische Zeiten ins Haus – so wie 2001 die Straßen- und Fabrikbesetzungen in Argentinien keineswegs vom Himmel gefallen sind. Spätestens nach der Bundestagswahl im September dürften tiefgreifende Einschnitte in den Bereichen „Arbeit & Soziales“ beschlossen werden – irgendjemand muss ja für die milliardenschweren Banken-Rettungspakete haften. Hinzu kommt, dass die aktuelle Weltwirtschaftskrise bislang nur bruchstückhaft in Bremen durchgeschlagen hat. Kurzarbeit bei Daimler oder in den Bremer Häfen ist also lediglich ein schwacher Vorgeschmack darauf, was noch bevorsteht! Umgekehrt hat die bewegungspolitische Linke bis heute keine wirklichen Antworten auf die Frage gefunden, wie sie sich an betrieblichen oder überhaupt sozialpolitischen Auseinandersetzungen beteiligen möchte. Damit der Brückenschlag wirklich gelingt, wird es im Anschluss an den Film eine kurz Überleitung geben – in der Hoffnung auf eine lebendige Debatte mit Bremen als Bezugspunkt und Argentinien als Folie.

Zeit & Ort: Mittwoch, 8. Juli, 20:00 Uhr, Bonbonfabrik Hardenbergstr. 50-54

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Mittwoch, 17. Juni, 20 Uhr:
Krieg und Widerstand an den EU-Außengrenzen: Hintergründe und Informationen anlässlich des NoBordercamps auf der griechischen Insel Lesbos im August 2009

Die griechische Insel Lesbos ist gerade mal 10 Kilometer von der türkischen Küste entfernt. Bereits seit längerem hat sie sich zu einem der zentralen Brennpunkte an den EU-Außengrenzen entwickelt: Allein 2008 sollen 13.000 Flüchtlinge und MigrantInnen in kleinen Booten gelandet sein, die meisten von ihnen aus Afghanistan, Irak, Somalia, Pakistan und Bangladesh. Doch auch dort (re)agieren Küstenwache und die Schiffe und Flugzeuge der europäische Grenzschutzagentur „Frontex“ rigoros – so wie überall im Mittelmeer bzw. Atlantik. Diejenigen, die auf Lesbos ankommen, werden zunächst für einige Wochen oder Monate in einem hoffnungslos überlaufenen Lager unweit der Inselhauptstadt Mytilini interniert. Minderjährige werden in einem separaten Lager untergebracht – nicht zuletzt als Reaktion auf monatelange Proteste von Menschenrechtsorganisationen und antirassistischen Gruppen. Sobald die Boatpeople freigelassen und auf das griechische Festland gebracht werden, versuchen sie, über Athen oder Patras weiter Richtung Nordwest-Europa zu gelangen, einmal mehr konfrontiert mit dem europäische Migrationsregime. Vom 25. bis 31. August wird auf Lesbos ein von zahlreichen Gruppen aus unterschiedlichen europäischen Ländern getragenes NoBorder-Camp stattfinden – unter anderem im Anschluss an das NoBorder-Camp in der westlichen Ukraine im Sommer 2007. Geplant sind einerseits öffentliche Kundgebungen, direkte Aktionen und Unterstützung der Solidaritätsnetzwerke auf der Insel, andererseits Workshops zum EU-Migrationsregime und zu transnationalen Organisierungsprozessen zwischen europäischen und afrikanischen Initiativen.

AktivistInnen von „kein mensch ist illegal/Hamburg“ kennen die Situation auf Lesbos aus eigener Anschauung. Sie werden bei der Veranstaltung unter anderem über die Frontex-Operation „Poseidon“ in der Nordägäis, die beiden Internierungscamps auf Lesbos und die soziale Lage von Flüchtlingen und MigrantInnen in Griechenland berichten – inklusive aktuellem Film- und Fotomaterial. Außerdem wird ein afghanischer Flüchtlingsaktivist berichten, der selber über Griechenland in die EU gekommen ist und heute in Hamburg lebt.

Eine Veranstaltung von NoLager Bremen in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative

Zeit & Ort: Mittwoch, 17. Juni, 20 Uhr, Bonbonfabrik, Hardenbergstr. 50-54