Anschreiben

Hallo alle zusammen,

seit Ende 2008 existiert in Bremen ein Bündnis, das sich mit der sozialen Frage auseinandersetzt. In den vergangenen Monaten haben wir uns gemeinsam aktuelle Debatten rund um das Schlagwort Prekarisierung erschlossen. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist eine EuroMayDay Parade am 1. Mai 2009 in Bremen. Den Paraden-Aufruf findet ihr am Ende dieser Mail, einen Eindruck davon, wie die Parade aussehen könnte, hier in dem Anschreiben.

Warum dies?

Wir gehen davon aus, dass die Existenzgrundlage der meisten Menschen immer unsicherer wird. Wir gehen auch davon aus, dass dies zunehmend sogenannte Normalarbeitsverhältnisse betrifft. Für viele Menschen, insbesondere für Migrantinnen und Flüchtlinge, war es allerdings schon lange der Normalzustand. Durch die Weltwirtschaftskrise wird diese permanente Entwicklung aktuell beschleunigt.

Die Gewerkschaften haben in den letzten Jahrzehnten einiges an ihrer Kampfkraft eingebüßt und führen heute meist Abwehrkämpfe gegen die Zumutungen der Kapitalseite: Lohnabbau, Arbeitshetze und Schließungen. Wenn sie kämpfen, dann häufig für den Teil der lohnarbeitenden Menschen, der in traditionellen betrieblichen Strukturen arbeitet und sich in den DGB-Gewerkschaften organisiert. Ein Ansatz der EuroMayDay Paraden ist daher, auch einen Raum für die Personen zu schaffen, die sich nicht im Blickfeld der Gewerkschaften bewegen. Deshalb verstehen wir den EuroMayDay in Bremen nicht als Konkurrenz, sondern als notwendige Ergänzung zur traditionellen Gewerkschaftsdemo. Wir werden mit einem Teil des Bündnisses auch auf der Gewerkschaftsdemo sichtbar sein.

Und was muß ich anziehen?

Die Form "MayDay-Parade" ist vor ca. 8 Jahren in Italien entstanden und seitdem in einigen Städten etabliert worden. Sie versucht die Vielfalt der Lebensverhältnisse, Kampfformen und Perspektiven deutlich zu machen und somit vermeintliche Einheitlichkeiten zu überwinden. Wir stellen uns den MayDay für Bremen weder wie eine "normale" Demo, noch wie eine Techno-Parade vor. Wir wollen keine räumliche und inhaltliche Begrenzung in Blöcken, wir wollen Platz für die spontane Äußerung der eigenen Lebensrealitäten und verschiedener Ausdrucksformen. So ist auf dem EuroMayDay 2005 in Hamburg das NoLager-Netzwerk mit Tannen-Bäumen aufgelaufen, um die Isolierung von Flüchtlingen in sogenannten Dschungelheimen anzuprangern. In Berlin verteilte die Gruppe FelS 2007 rosa Einkaufswagenchips mit dem Aufdruck "Bezahlt wird nicht" von ihrem "Aneignungs"-Wagen, der (selbst-)ironisch die Themen "proletarische Selbsthilfe" und Ladendiebstahl aufgriff. 2008 wurde von einem "Drei-Fragezeichen-Wagen" ("fragend fahren wir voran") aus eine kleine militante Massenuntersuchung mit einem Ankreuzfragebogen durchgeführt. Außerdem sind Superheldinnen und Überflüssige auf jedem MayDay zu finden.... Für Bremen sehen wir in dem MayDay unter anderem die Möglichkeit, die Weltwirtschaftskrise zum ersten Mal von linker Seite aus lokal zum Thema zu machen.

Wir schreiben euch nicht nur, damit ihr wisst, dass und warum wir das alles vorhaben, sondern auch, weil wir den MayDay mit euch zusammen machen wollen! Überlegt euch, wie ihr euch und eure Inhalte einbringen könnt, mobilisiert mit uns und unterstützt den Aufruf!

Mischt euch ein! Jeden Montag / 20Uhr Paradox / MayDay Bündnis