maydayCafé Oktober/November 2009

Mittwoch, 18.11.2009
Die Idee der Freiheit lässt sich nicht unterkriegen...

Zur aktuellen Situation im Iran: Vortrag und Diskussion mit Pedram Shayar (Netzwerk junger Iraner in Berlin und attac) und Amin Hosuri (Journalist und politischer Aktivist/Bremen)

Gerade mal 5 Monate liegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen im Iran zurück. Damals sorgten die insbesondere von jungen Menschen getragenen Massenproteste weltweit für Aufsehen. Mittlerweile scheint sich die Lage unter dem Druck der brutalen Repression 'beruhigt' zu haben. Doch der Schein trügt: Die Bewegung gegen die theokratische Diktatur ist weiterhin aktiv, lediglich die Form des Widerstands hat sich geändert: So sind im Rahmen der offiziellen Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan allein in Teheran 3 Millionen Menschen (demonstrierend) auf die Straße gegangen. Zudem spielt das Internet weiterhin eine herausragende Rolle – genauso wie kleinere Aktionen, etwa politisches Graffiti. Während im Juni vor allem die gefälschten Wahlen im Mittelpunkt der Proteste standen, geht es heute um mehr: Der Bann der Diktatur ist gebrochen, die Menschen lassen sich nicht mehr einschüchtern. In der Veranstaltung soll deshalb der Frage nachgegangen werden, wer die Proteste trägt und worin die jeweiligen Ziele bestehen. Ein differenzierter Blick ist nicht zuletzt deshalb elementar, weil bis heute die Gefahr besteht, dass sich die islamistischen Reformisten um den bei den Präsidentschaftswahlen unterlegenen Hussein Mussawi an die Spitze der Proteste setzen und somit wirkliche Veränderungen verhindern könnten. Denn klar ist auch: Die Gruppe derer, die sich für eine säkulare und solidarische Gesellschaft einsetzt, dürfte gerade mal 10-20 Prozent der Bevölkerung umfassen – zu ihr gehören unter anderem Gewerkschaften, Frauengruppen und Teile der Studierenden. In der Veranstaltung sollen zwei Blickwinkel zur Sprache kommen: Pedram Shayar von attac und dem „Netzwerk junger Iraner in Berlin“ spricht aus der Exil-Perspektive, er musste den Iran bereits als Kind mit seinen Eltern verlassen, Amin Hosuri aus Bremen ist politischer Aktivist und Journalist, er hat bis vor kurzem im Iran gelebt.

Veranstanstalter: NoLager Bremen & Stadtkommune Alla Hopp - in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen und dem Mayday-Café

Zeit & Ort: Mittwoch, 18. November, 19:30 Uhr, Bonbonfabrik Hardenbergstr. 50-54 (Neustadt)

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Dienstag, 27.10.2009
Der Krieg gegen Flüchtlinge – aus westafrikanischer Sicht

Vortrag und Diskussion mit Alassane Dicko, Mitarbeiter der „Malischen Vereinigung der Abgeschobenen (AME)“ aus Bamako/Mali

Über Migrationskontrolle, Wüstenlager oder Abschiebungen ist in den letzten Jahren viel berichtet worden – zu Recht, fallen doch dem (mit Bremer Hochtechnologie unterstützten) Krieg gegen Flüchtlinge jährlich mehrere Tausend Menschen zum Opfer. Seltener ist es hingegen um die Situation jener Flüchtlinge gegangen, die aus Europa abgeschoben wurden – insbesondere nach Afrika. Die unter anderem von der Frankfurter NGO „medico international“ unterstützte „Malische Vereinigung der Abgeschobenen“ (AME) ist eine der wenigen Organisationen in Westafrika, die Abgeschobene praktisch und politisch unterstützt: Ihre MitarbeiterInnen kümmern sich um Abgeschobene aus Europa und anderswo, welche am Flughafen in Bamako oder an der algerisch-malischen Grenze ankommen und medizinische Hilfe, eine Notunterkunft etc. benötigen. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt sind Öffentlichkeitsarbeit sowie politische Kampagnen – letztere auch in Kooperation mit regionalen und europäischen Partnerorganisationen. Etwa die Kritik an dem mit EU-Geldern gegründeten „Zentrum für Information und Migrationsmanagement (CIGEM)“ in Bamako Mali – einer Organisation, die ursprünglich befristete Arbeitspapiere für Europa ausstellen sollte, die aber faktisch in die Bekämpfung von Migration eingebunden ist. Alassane Dicko – Mitarbeiter der AME – wird in seinem Vortrag von seiner Arbeit berichten, nicht zuletzt davon, welche Bedeutung Migration für ein armes Land wie Mali hat. Im Anschluss an den Vortrag wird es Zeit für Fragen und Diskussion geben. Die Veranstaltung wird organisiert von NoLager Bremen, Polypol und der Initiative „Transnationale Bündnisse von unten“

Am Sonntag, den 1. November, wird in der Bonbonfabrik von 11 bis 16 Uhr ein Workshop mit Alassane Dicko stattfinden. Schwerpunktmäßig soll es um die Möglichkeit afrikanischer-europäischer Widerstandsperspektiven von unten gehen. Interessierte möchten sich bitte unter nolagerbremen@mail36.net (unverbindlich) anmelden.

Zeit & Ort: Dienstag, 27. Oktober, 19.30 Uhr, Konsul-Hackfeld-Haus, Birkenstr. 34 (Mayday-Café)

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Sonntag, 18.10.2009
Shut down Pagani! Azadi! - Das NoBorder-Camp auf Lesvos im Rückblick

Videos und Berichte vom NoBorder-Camp auf Lesvos/Griechenland im August 2009

Am Ende stand fest, dass es sich um das richtige Camp zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gehandelt hat. Hintergrund war, dass es auf Lesvos bereits den ganzen Sommer über gebrodelt hatte – zu unhaltbar war die Situation für Flüchtlinge in Griechenland im Allgemeinen und auf Lesvos im Besonderen geworden. Darauf hatten nicht nur antirassistische Gruppen, Pro Asyl oder der UNHCR immer wieder hingewiesen, auch zahlreiche Medien waren bereits aufmerksam geworden. Die Situation sollte sich sodann im unmittelbaren Vorfeld des Camps noch dadurch zuspitzen, dass 160 Minderjährige im Internierungslager „Pagani“ in einen Hungerstreik getreten waren. Zusammen mit einem heimlich gedrehten Video in Pagani hat dies ein gewaltiges Medienecho ausgelöst – am Ende lief das Video sogar auf CNN. Höhepunkt des Camps dürfte allerdings der Camp-Infopunkt an der Hafenpromenade in Mytilini gewesen sein – hat sich dieser doch binnen 24 Stunden zu einem regelrechten Refugee-Welcome-Center für frisch in Booten angekommene sowie aus Pagani entlassene Flüchtlinge entwickelt. Jenseits dessen hat das Camp auch dramatische Debatten erlebt – nicht zuletzt über Chancen & Grenzen militanter Interventionen. Eine Veranstaltung mit NoLager Bremen & Friends.

Zeit & Ort: Sonntag, 18. Oktober, 20:00 Uhr, Bonbonfabrik Hardenbergstr. 50-54 (Mayday-Café)