5.2.2010: flashmob in der Wätjenstraße...

„Stromausfall“ am Nachmittag verhindert Schnäppchen-Jagd bei Eröffnung des zweiten Bremer Schlecker XL-Marktes

Rund 150 TeilnehmerInnen sind heute dem Aufruf des Bremer Mayday-Bündnisses, des Bremer Krisen-Bündnisses „Wir zahlen nicht für eure Krise“ und von ver.di gefolgt, um am Eröffnungstag des zweiten Schlecker XL-Marktes in Bremen mit einem flashmob deutlich zu machen: Wenn Schlecker XL, dann zu Mindest-Bedingungen wie Tariflöhnen, Vertretung durch Betriebsräte etc. - jedenfalls als erster Schritt in die richtige Richtung...

Der Plan, sich im Laden selbst zu versammeln (wie schon beim ersten Schlecker-flashmob Ende November), fiel hingegen ins Wasser, weil ein angeblicher Stromausfall den gesamten Nachmittag über zur Schließung der Filiale geführt hatte. Angeheuerte Security-Kräfte und ca. 20 PolizistInnen sicherten also lediglich eine dunkle XL-Filiale – ein durchaus bemerkenswerter Anblick am Eröffnungstag eines frisch renovierten Geschäfts (mit Sonderangeboten, Luftballons über'm Eingang etc.).

Die Flashmob-Aktion „Pinke Karte für Schlecker“ mit passenden Slogans wie „XL-Löhne für XL-Beschäftigte“, Sprechchören wie „Schlecker XL – ein Negativ-Modell“ und Beiträgen am offenen Mikrofon musste daher vor der Filiale stattfinden - inklusive zahlreichen Transparenten, Schildern und Gewerkschaftsfahnen. Dass der örtliche Handelssekretär von ver.di, eine Vertreterin der Partei „Die Linke“ sowie Mayday- und Krisen-AktivistInnen das Wort ergriffen, war logisch. Ungewöhnlich ist hingegen gewesen, dass sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen ebenfalls an der öffentlichen Diskussion beteiligt haben: Eine Anwohnerin der Wätjenstraße etwa, die mit ihren Nachbarinnen über die Probleme bei Schlecker diskutiert. Oder ein Psychologin, die in ihrer beruflichen Praxis mit Krankheitsbildern zu tun hat, die durch den Umgang einer rein profitorientierten „Wirtschaft“ mit Menschen neu entstehen. Oder Beschäftigte aus mehreren Bremer Betrieben, die über den Umgang ihrer Unternehmen mit den Belegschaften informierten – da wurde für alle sichtbar bzw. hörbar, dass nicht nur „der böse Anton Schlecker“, sondern auch namhafte Betriebe wie Siemens, die Hafenbetriebe (mit dem Bremer Senat als Anteilseigner) oder der Erfolgskonzern InBev alle Methoden, Tricks und Schliche anwenden, um ihre Gewinne nach oben zu fahren. In diesem Zusammenhang wies ein Aktivist aus der Erwerbslosenbewegung zudem darauf hin, dass es nicht zuletzt die Hartz-Gesetze I bis IV waren, welche die Ausweitung von Leiharbeit, Minijobs und Niedriglöhnen in der aktuellen Form überhaupt erst möglich gemacht haben.

Abschließend versammelten wir uns noch zu einer Spontandemonstration (mit Unterstützung durch eine Samba-Band), sie führte durch einige Straßen in der Umgebung – die AnwohnerInnen waren durch Aufrufe in den Briefkästen bereits in den Tagen zuvor informiert worden. Es gab zustimmendes Winken, neugierige Blicke und einzelne Gespräche mit Menschen, die über ähnliche Erfahrungen im Einzelhandel berichteten.

Vorläufiges Fazit der Versammlung: es geht weiter mit den Protesten – aber es bleibt noch viel zu tun: Es ist notwendig, immer breitere Bevölkerungskreise einzubeziehen, damit der Widerstand gegen immer prekärere Arbeits- und Lebensbedingungen an Stärke und Durchsetzungskraft gewinnen kann. In diesem Zusammenhang einige positive Nachrichten: Allein im vergangenen Jahr wurden im gesamten Bundesgebiet 40 zusätzliche Schlecker-Betriebsräte gegründet, knapp 1000 Schlecker-Beschäftigte sind bei ver.di eingetreten, außerdem gab es zahlreiche positive Gerichtsentscheide: In Bremen hat zum Beispiel das Arbeitsgerichts den Schlecker-Konzern durch einstweilige Verfügung verpflichtet, für die kommende Betriebsratswahl auch Wählerlisten der XL-Märkte zur Verfügung zu stellen, d.h. Schlecker XL bleibt Schlecker! Hierzu passt, dass über den gestrigen flashmob die lokalen Medien einmal mehr ausführlich berichtet haben. In diesem Sinne: Schlecker, wir bleiben am Ball!!!