28.4.: 170 AktivistInnen besetzten Leiharbeitsfirma

Euromayday-Aktion gegen Prekarisierung und Ausbeutung war voller Erfolg

    Beitrag bei Weser Kurier online (mit Video)

    Bericht beim Radio Bremen Magazin "buten un binnen"

    Rund 170 Leute haben in Bremen am 29. April kurzzeitig eine Leiharbeitsfirma in der Bremer Innenstadt besetzt. Das Bremer mayday-Bündnis hatte zu einer Kundgebung gegen Prekarisierung und Ausbeutung aufgerufen, in deren Anschluss dann die Besetzung stattfand.
    Während bei der Kundgebung und auch in der öffentlichen Mobilisierung im Vorfeld der Fokus auf die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel und die Bedingungen in den Textilfabriken auf der ganzen Welt gelegt wurde, ging es bei der anschließenden Aktion um Leiharbeit. Allein in der Bremer Innenstadt gibt es über 50 Leiharbeitsfirmen, der Anteil der LeiharbeiterInnen ist wesentlich höher als im Bundesdurchschnitt. Es gab u. a. Redebeiträge von der clean clothes campaign und dem Bremer Erwerbslosenverein.

    Ein Arbeitgeber ist schon unangenehm genug, LeiharbeiterInnen sind gleich mit Zweien konfrontiert. Damit die Arbeit sich doppelt lohnt, sind die Löhne besonders niedrig, die Arbeitsbedingungen besonders mies. Die Jobcenter zwingen die Leute, trotzdem die miesen Leiharbeitsjob anzunehmen und drohen andernfalls mit Sanktionen. Die AktivistInnen forderten deshalb: Weg mit der Leiharbeit!
    Obwohl die Besetzung nicht öffentlich angekündigt war, ist das Vorhaben scheinbar durchgesickert. Die Leiharbeitsfirmen in der Bremer Innenstadt wurden morgens telefonisch über möglicherweise stattfindende Aktionen informiert. Das führte dazu, dass bestimmte Firmen den ganzen Tag niemanden ohne Kontrolle reingelassen haben. Durch kurzfristiges Umdisponieren konnte die Aktion aber dennoch stattfinden, was nicht zuletzt durch die gute Kommunikation im Vorfeld möglich war. So war auch die relativ zahlreich umherziehende Polizei kein Hindernis, da ja das Ziel einer „möglichen Aktion“ nicht bekannt war. Während die Kundgebung noch lief, kamen die BesetzerInnen so erfolgreich ans Ziel und die KundgebungsteilnehmerInnen nur wenige Minuten später auf den Platz vor dem Firmengebäude, wo schon ein riesiges Transparent, Klopapier und Konfetti aus dem Fester wehten. Es gab kostenlose Vokü, eine Samba-Gruppe spielte und viele Leute erzählten spontan am Mikrofon von ihren Erfahrungen in Leiharbeitsfirmen und anderen miesen Arbeitsverhältnissen.